Industrie 4.0 am Beispiel – Ressourceneffizienz durch Digitalisierung

Industrie 4.0 am Beispiel – Ressourceneffizienz durch Digitalisierung – Filmveröffentlichung des VDI Zentrum Ressourceneffizienz

Digitale und vollautomatisierte Abläufe steigern die Ressourceneffizienz von Unternehmen des produzierenden Gewerbes. Am Beispiel einer Blechwarenfabrik werden die Ressourceneffizienzpotenziale aufgezeigt, die sich mithilfe von Digitalisierung und Automation heben lassen.

Die Blechwarenfabrik Limburg GmbH verarbeitet pro Jahr 20.000 Tonnen Weißblech zu mehreren Millionen Dosen, Kanistern und Eimern. Mit dem Umzug vom Rand der Limburger Altstadt an einen neuen Standort vollzog das Unternehmen den Schritt ins Zeitalter der Industrie 4.0.

Die wesentliche Neuerung stellen der Einsatz und die hochgradige Vernetzung verschiedener IT-Systeme dar. Beispielsweise steuert ein Produktionsplanungssystem (PPS) über ein Manufacturing Execution System (MES) sämtliche Produktionsprozesse. Ein Energiemanagementsystem (EMS) analysiert und reguliert die Energieströme, die im Fertigungsprozess und der Gebäudetechnik auftreten (z. B. Druckluft und Klimatechnik). Alle Daten laufen in einem Business Intelligence System (BI) zusammen, in dem die Produktions- und Energiedaten in Relation zueinander gesetzt und mit Soll-Werten abgeglichen werden. Stellt das BI beispielsweise fest, dass mehr Druckluft für eine bestimmte Anzahl von Dosen verbraucht wird als vorgesehen, alarmiert es einen Techniker. Dieser kann umgehend nach Leckagen suchen und sie beseitigen – das spart Energie.

Auch das Lagern und Transportieren laufen vollständig digital. Ein Warehouse Management System (WMS) steuert die fahrerlosen Transportsysteme und die Bewegungen im Lager. Das fördert die effiziente Ausnutzung von Lagerfläche, zudem mindert es die Gefahr von Beschädigungen an den Blechen, die durch unsachgemäßes manuelles Transportieren entstehen könnten. Aufgrund dieses perfekt organisierten Materialtransports werden jährlich 100 Tonnen Weißblech eingespart.

Auf dem Dach der Fabrik sind außerdem über 2.500 Solareinheiten installiert, die ein Drittel des benötigten Stroms im Unternehmen liefern. Das Besondere dabei: Das Warehouse Management System (WMS) steuert in Abhängigkeit der Stromverfügbarkeit automatisch die Bewegung der Warenströme im Lager, d. h. energieintensive Lagerbewegungen werden dann ausgeführt, wenn besonders viel Strom durch die hauseigene Photovoltaik-Anlage erzeugt wird.

Darüber hinaus wird die in der Produktion anfallende Abwärme zum Heizen, beispielsweise der Verwaltungsräume, und zur Erzeugung von Warmwasser genutzt.

Alles in allem spart das Unternehmen auf diese Weise jährlich rund eine halbe Million Euro Material- und Energiekosten ein und konnte seine Treibhausgasemissionen um mehr als 2.600 Tonnen pro Jahr verringern.

Der Film „Industrie 4.0 am Beispiel – Ressourceneffizienz durch Digitalisierung“ ist auf dem YouTube-Kanal des VDI ZRE „Ressource Deutschland TV“ oder im WebVideomagazin abrufbar.

Quelle: https://bit.ly/2MjlcCs

Industrie 4.0 mit industriellem Mobilfunk von Red Lion

Die Plattformen Microsoft Azure®, Cumulocity und Nokia IMPACT sind jetzt auf den Geräten von Red Lion verfügbar.

31. August 2017 – Red Lion Controls gab gerade bekannt, dass ihre industriellen RAM®-Router und Mobilfunk- RTUs RAM® zusätzlich die Cloud Plattformen Microsoft Azure®, Cumulocity und Nokia IMPACT unterstützen, nachfolgend auf die letzte PR Mitteilung über die Unterstützung der MQTT-Protokoll (MQ Telemetry Transport). Durch die Erweiterung mit diesen beiden Plattformen wird die RAM-Serie von Red Lion in der Anzahl von Plattform-Integrationen mit marktführend sein, und so größere Flexibilität für Industriekunden bei der schnellen Verbindung der führenden IIoT-Cloud-Plattformen ihrer Wahl bieten.

Industrielle Mobilfunk- RTUs Serie RAM von Red Lion bieten marktführende IIoT-Konnektivität

„Unsere RAM-Produkte bieten leistungsstarke Konnektivität für zuverlässige, sichere und skalierbare Kommunikationen mit einer Vielfalt von IIoT-Cloud-Plattformen. Durch Microsoft Azure, Cumulocity und Nokia IMPACT bieten Router und -RTUs der RAM Serie von Red Lion nun die meisten embedded IIoT-Plattform-Integrationen auf dem heutigen Markt,“ so Colin Geis, Director of Product Management, IIoT Red Lion Controls. „Die Vielfalt der von uns unterstützen Plattform-Integrationen ermöglicht es den Kunden, den Anbieter, der auf die spezifischen Anforderungen ihres individuellen Marktes oder ihrer individuellen Anwendung zugeschnitten ist, auszuwählen, und so von einzigartigen Merkmalen und Funktionen zu profitieren, ohne Kompromisse bei der Benutzerfreundlichkeit oder Implementierungsgeschwindigkeit machen zu müssen.“

Neben den heute verkündeten Erweiterungen vereinfacht RAMQTT, Red Lions MQTT-Client das Implementieren durch voreingestellte Profile für AT&T® M2X, Amazon® AWSTM IoT, AutoDesk® Fusion Connect und Telenor Connexion. Kunden können sich mittels eines einfachen Dropdown-Menüs mit der Cloud verbinden, indem sie ihre bevorzugte Plattform auswählen. Bei Verwendung des RAM-Softwareentwicklungskits (SDK) kann Konnektivität mittels zusätzlicher Plattformen hergestellt werden, hierzu zählen unter anderem LEC IQ Web SCADA, Set-Point IPwebcontrol, Skkynet Skkyhub, und Telit deviceWISE.

„Das Red Lion-Portfolio an IIoT-Gateways und Edge Controllern unterstützt über 300 Industrieprotokolle und ermöglicht Kunden, kritische Maschinenverbindungen in rauen, anspruchsvollen Umgebungen z. B. in der Fertigung, Öl und Gas, Wasserwirtschaft, Energieversorgung zuverlässig zu erstellen. Die Vorintegration in die führende IoT-Plattform von Cumulocity ermöglicht Kunden die schnelle, sichere und zuverlässige Übernahme von Zustandsüberwachung und vorbeugender Wartung zur Verbesserung ihrer Unternehmenseffizienz.“ sagt Bernd Gross, CEO von Cumulocity.

Die Kombination aus Industrieprotokoll-Support, zuverlässiger Mobilfunk-Kommunikation und benutzerfreundlichem Cloud-Support bringt eine reibungslose IIoT-Lösung an den Kunden. RAM-Produkte verfügen außerdem über eine leistungsstarke Event-Engine und eine integrierte E/A-Datenbank, mittels der die Erstellung und Speicherung von Daten-Tags vereinfacht wird. Andere Eigenschaften sind u. a. mehrere serielle und Ethernet-Ports und optionale E/A, Wi-Fi sowie ein aktives GPS zur sicheren Überwachung und Steuerung von entfernten Geräten über 4G-LTE-Mobilfunknetzwerke.

Über Red Lion Controls

Als ein internationaler Experte für Kommunikation, Überwachung und Steuerung für die industrielle Automatisierung und Vernetzung bietet Red Lion seinen Kunden seit über vierzig Jahren innovative Lösungen an. Unsere Automations-, Ethernet- und M2M-Mobilfunk-Technologien ermöglichen Unternehmen weltweit eine Datenvisualisierung in Echtzeit zur Steigerung der Produktivität. Unsere Produkte werden unter den Markennamen Red Lion, N-Tron und Sixnet vertrieben. Red Lion ist in York, Pennsylvania, beheimatet und betreibt Niederlassungen in Nord- und Südamerika, im asiatisch-pazifischen Raum und in Europa. Red Lion gehört zur Spectris PLC-Gruppe, ein Unternehmen für produktivitätssteigernde Instrumente und Steuerungen. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.redlion.net/de.

Für weitere Informationen zur Red Lions Modellreihe Sixnet® und den industriellen Mobilfunk-RAM-RTUs besuchen Sie unsere Seite www.redlion.net/RAM.

Bei Verkaufsanfragen oder Fragen zu Produkten erreichen Sie Red Lion telefonisch unter +49 (0) 89 5795 9421 oder per E-Mail an europe@redlion.net.

Der Data Leader Guide 2017

Der Data Leader Guide 2017 ist jetzt exklusiv im Shop des Beuth Verlages erhältlich:

Big Data beherrscht die Wirtschaft wie kein anderes Thema. Datengetriebene Geschäftsmodelle, schlankere Prozesse oder einfach nur eine neue Form von Datentransparenz. Kaum ein Unternehmensbereich wird nicht von dieser Entwicklung erfasst. Doch was und wie setzen die Champions der Digitalwirtschaft dieses Thema um?

Der Data Leader Guide stellt erstmalig die Anwendungsfälle der Datenchampions – Konzerne und innovative Mittelständler – kompakt, strukturiert und plakativ. Mit dabei sind u.a.

  • Deutsche Bahn
  • DHL
  • Kreditech
  • Lufthansa
  • DATANOMIQ
  • Mercedes AMG
  • Otto
  • Siemens
  • Weidmüller

Herausgeber der Publikation ist Connected Industry e.V. – der Verband für Digitalsierung und Vernetzung. Der Data Leader Guide ist in Kooperation mit dem Beuth Verlag erschienen und unter diesem Link erhältlich.

Buchempfehlung: Die Geschichte vom Lochstreifen bis zur Cloud

In dem Buch Die digitale Fabrik beschreibt der Autor und unser Vereinsmitglied Johann Hofmann den Entwicklungspfad zur digitalen Hochleistungsfertigung und spannt einen zeitlichen Bogen von 26 Jahren: Ausgehend von der Digitalisierung des Lochstreifens im Jahre 1990 bis zur Implementierung eines Assistenzsystems in der „German Public Cloud“ im Jahre 2016.

In anschaulicher Weise erläutert Herr Hofmann in einer bewusst nicht wissenschaftlich gewählten Schreibweise die Schritte von der Digitalisierung über die digitale Transformation bis hin zur digitalen Fertigung und lässt den Leser teilhaben an den Erfahrungen, Erkenntnissen und Irrwegen auf diesem Weg. Das Buch ist im weitesten Sinn ein Erlebnisbericht und lesbar wie ein Roman.



Die digitale Fabrik: Auf dem Weg zur digitalen Produktion
Konkret erläutert der Autor in seinem Buch die technologischen Voraussetzungen, die bei der Digitalen Transformation beachtet werden müssen:

  • Vernetzung von Datensystemen
  • Notwendige Datenqualität
  • Intelligente Assistenzsysteme
  • Datenkommunikation

Dem Thema Datensicherheit und Cloud wird jeweils ein eigenes Kapitel gewidmet. Des Weiteren werden qualitative und quantitative Potenziale von Industrie 4.0-Bausteinen betriebswirtschaftlich beleuchtet und ein abschließender Ausblick in die Zukunft gegeben.

Hinweis: Lesen Sie auch das Interview mit Herrn Hofmann durch Connected Industry e.V.

Interview – Digitalisierung in der Luftfahrtindustrie

Interview mit Dr. Schütz, CIO aller Fluglinien der Lufthansa Group, über die Digitalisierung in der Luftfahrtindustrie

roland-schuetz-lufthansaDr. Roland Schütz ist Chief Information Officer (CIO) aller Fluglinien in der Lufthansa Group. Neben den Premium-Hub-Airlines Lufthansa, Austrian Airlines und Swiss gehören dazu auch die Flugbetriebe der Eurowings. Dr. Schütz bündelt in der neuen Rolle alle relevanten Digitalisierungsprogramme IT-seitig. Er arbeitet seit 2005 für die Lufthansa Group. Der promovierte Physiker war zunächst Chief Operating Officer Infrastructure Services bei Lufthansa Systems, einer IT-Tochter des Lufthansa-Konzerns. 2010 übernahm er die Verantwortung für den IT-Bereich der Fracht-Tochter Lufthansa Cargo, ehe er 2014 zum CIO des größten Geschäftsbereichs Lufthansa Passage berufen wurde.

Connected Industry: Was bedeutet Digitalisierung für die Lufthansa?

Wir haben grundsätzlich über den Konzern hinweg drei Zielgruppen: B2B, B2C und B2E zum Mitarbeiter hin. Im Bereich der Commercials – B2B und B2C – haben wir die Herausforderung, dass wir die Kunden mittlerweile viel besser kennenlernen wollen und können als es in der Vergangenheit möglich war. Früher gab es nur den Premium- und Statuskunden, um den man sich personalisiert gekümmert hat. Jetzt ist es möglich, ein individualisiertes Profil unserer Gäste zu ermitteln und ihn auf seiner Reise individuell zu begleiten sowie seinen spezifischen Bedürfnissen entsprechend Dinge anzubieten. Wir wiederholen damit eine Entwicklung, die vor einigen Jahren in der Retail-Industrie stattgefunden hat – diese überträgt sich nun auf die Travel- und Transportbranche. Es bleibt somit nicht bei einem anonymen Gast sondern man möchte wie andere Mobilitätsdienstleister auch der Travel-Companion sein, der über das gesamte Reisen über mehrere Verkehrsträger hinweg auch am Zielort den entsprechenden Kunden berät und ihm individuelle Angebote macht. Die ganze Digitalisierung entwickelt sich ja dahin, nicht nur die eigenen Assets zu managen sondern auch die Dritter, z.B. Hotels. Es geht darum, eine ganzheitliche Erfahrung auf direkten Vertriebskanälen zu ermöglichen und damit ein Stück vom klassischen Vertrieb von Flugtickets über Reisebüros und etablierten Wegen wegzugehen. Das tut sich im groben Überblick auf der Commercial Seite im Hinblick auf B2B und B2C. Was nun den Mitarbeiter angeht, statten wir unsere mobile, globale Workforce mit Smart Phones aus, damit unsere Crews keine Informationsnachteile gegen unseren Gästen haben, die sich über ihre eigenen Smartphones beliebig mit Informationen versorgen können. Dies sind die Haupttrends. Weiter ist noch das Connected Aircraft hinzuzufügen, also Flugzeuge werden zu fliegenden Rechenzentren. Dies gibt uns einerseits die Möglichkeit den Passagier breitbandig online zu bringen und der letzte weiße Fleck auf der Verkaufslandkarte kann damit noch gefüllt werden: Während des Fluges ist die Möglichkeit optimal, dem Passagier Angebote zu machen. Da arbeiten alle Fluggesellschaften mit entsprechenden Partnern daran, diese Lücke zu schließen und den Gast individuell zu betreuen und die Daten die dabei anfallen, werden bei dessen Einverständnis den Kundenprofilen zugeführt und führen zu einer verbesserten Kenntnis der Vorlieben. Das ist, was uns treibt zum Thema Digitalisierung. Heute ist es so, dass jede Schnittstelle zwischen uns und dem Passagier elektronifiziert ist – schon das Einsteigen in ein Flugzeug ohne IT-Unterstützung erheblich länger dauern. Wir können unsere Prozesse gar nicht mehr fahren ohne dass sie vollständig digitalisiert wären. Was jetzt noch dazu kommt ist das Thema Mobile Endgeräte für alle und Unbegrenzter Datenzugriff durch Trends wie Big Data und Analytics, das führt zu den eben beschriebenen Entwicklungen. 

Connected Industry: Ist auch das Thema Autonomes Fliegen ein Thema?

Es gibt seit vielen Jahren einen Autopilot im Flugzeug. Je nach Ausstattung der Flughäfen sind auch vollautomatische Landungen möglich. Das ist eine technische Entwicklung die im Flugzeug längst Einzug gehalten hat. Trotzdem wäre es nicht denkbar, dass man zum heutigen Stand der Technik ein Flugzeug ohne Pilot fliegen lassen würde, da es immer Sondersituationen gibt, die vielleicht nicht vorausgedacht sind und man einen Menschen braucht, um finale Entscheidungen zu treffen. Aber technologisch ist dies heute schon automatisiert und die entsprechenden technischen Möglichkeiten sind gegeben. Die Flugzeuge übertragen auch heute schon ständig Daten über ihren Zustand zum Boden und erlauben damit auch eine proaktive Wartung. Aber eine Drohne mit Passagieren an Board – daran denkt im Moment noch niemand. 

Connected Industry: Welche zentralen Herausforderungen gibt es bei Ihrer digitalen Transformation?

Die Hauptsache ist, dass es viel Geld kostet und es hat einige Zeit gedauert, bis die Prioritäten dieser Themen erkannt wurden. Heute ist es so, dass Investitionen in große IT-Systeme denselben Stellenwert haben wie Investitionen in Flugzeuge, was unser primäres Produktionsmittel ist. Das war aber nicht immer so. Wir haben den Trend durchgemacht, den viele IT-Abteilungen hatten, dass sie nur als Kostenfaktor gesehen wurden. Mittlerweile ist die IT ein Mittel zur strategischen Differenzierung: In dem Sinne, wer den Kunden am besten kennt und wer nicht durch Intermediäre wie Online Reisebüros vom Kunden abgeschnitten wird und in eine Commodity Ecke gedrängt wird – nur der kann überleben. Das ist mittlerweile verstanden, dass man für die Digitalisierung die IT braucht, um nicht den Kontakt zum Kunden zu verlieren und dass dieses elektronische Bild der Airlines genauso wichtig ist, wie das freundliche Betreuen oder pünktliches Ankommen.

Connected Industry: Mit Blick auf die Zukunft: Was ist Ihre Vision von der nächsten Stufe der Digitalisierung?

Was generell noch weiter zunimmt ist das Thema Konnektivität – immer und überall. Hier möchte man den Gast nicht einschränken. Zudem ein noch dynamischeres Angebotsverhalten, dass man dem Kunden proaktiv Vorschläge macht mit Preisen, die individuell auf den Kunden zugeschnitten sind. Und dies überwiegend über direkte Vertriebskanäle – das ist ein wesentlicher Trend. Und was nun die übliche Automation von Prozessen am Boden angeht, da spielen Trends wie Industrie 4.0 eine Rolle. Beispielhaft wissen wir, wo die Koffer der Passagiere sind oder können sie verständigen, wenn eine Verspätung eingetreten ist. Wir kennen jedes Flugzeugteil, dass weltweit irgendwo unterwegs ist mit seiner ganzen Historie. Die Kommunikation der einzelnen Assets untereinander wird auch automatisiert und damit werden Kosten gespart. Das ist der wesentliche Automationsteil am Boden.

Ansonsten muss man sehen, dass der Luftverkehr im Jahr je nach Weltregion zwischen 5 und 7% wächst. Das ist ein Ergebnis der Globalisierung und wird dazu führen, dass es noch zu einer weiteren Marktbereinigung im Airline-Umfeld kommt. Speziell in Europa steht dies nun – auch durch den Preiskampf mit den Billigairlines- an. Insofern wird der Wettbewerb noch härter sein und es wird nötig sein im Sinne der Neuordnung von Marktteilnehmern die Produktionsplattformen und dergleichen noch flexibler in unterschiedlichen Airlines zusammenzubinden und damit aus Sicht des Passagiers ein nahtloses Reisen zu ermöglichen. Der Passagier möchte möglichst stressfrei durch den Dschungel von Flughäfen und Airlines durchgeführt werden. Wenn sich jetzt Themen vereinheitlichen, dann muss man die bisherigen Grenzen zwischen den Marken für den Passagier besser gestalten. Wir tun uns heute bei der Lufthansa und der Swiss, die beide zum gleichen Konzern gehören, schwer, das einfache Umbuchen und Umsteigen zwischen den Linien zu erlauben. Solche Barrieren müssen natürlich fallen, das ist die klare Erwartung von den Kunden, insbesondere von den Corporate Kunden.

Connected Industry: Was bedeutet digitale Transformation für den IT-Manager im Hinblick auf veränderte Anforderungen und seine neue Rolle?

Also eines ist das digital Enablement von Unternehmen – auf welchen Feldern sich ein Unternehmen weiterentwickeln muss: Der IT-Manager muss noch dichter an das Business heranrücken und in der strategischen Phase im Bereich des Business Developments an neuen Ideen und Produktgestaltungen mit beteiligt werden. Es kann nicht sein, dass er nur im letzten exekutiven Schritt Teil des Verfahrens wird. In dem Moment wo man anerkennt, dass die IT ein wichtiger Produktionsfaktor ist, muss er den gleichen Stellenwert haben und müssen Pläne, die IT weiterzuentwickeln, entsprechend früh ein Teil der Gesamtstrategie sein. Gerade, wenn es zu Marktveränderungen kommt und Zusammenschluss von Unternehmen, ist die IT als Integrationsfaktor auch erfolgskritisches Element. Insofern muss der IT-Manager von heute schnell, flexibel und auf das Unerwartete eingestellt sein, wenn er wirklich die Entwicklungsgeschwindigkeit von Unternehmen beschleunigt, wird er im Gegenzug auch einbezogen in solche Überlegungen. Wir sind mittlerweile fester Bestandteil des Strategieprozesses und man hört auch auf die IT in dem Sinne, was überhaupt machbar ist und was noch Zukunftsmusik ist – also auch das Thema, dass man ein Technologieradar hat und beantworten kann, was ist 2025 möglich und wie überträgt sich das dann auf die Gesamtperspektive des Unternehmens. Hier hört man dem IT-Manager zu und wenn er da nicht sprechfähig ist, dann sucht sich die Unternehmensleitung andere Wege und Ansprechpartner und dann gerät er wieder in die Position des reinen Fullfillments – das wäre eine verpasste Chance. Das sieht man ja auch an solchen Trends, einen Chief Digital Officer zu ernennen, weil man das Gefühl hat, dass die eigene IT-Abteilung keinen hinreichend aktiven Beitrag zur digitalen Transformation des Unternehmens liefert, dass man da noch eine extra Rolle braucht, um da Gas zu geben. Für mich ist das ein Indiz, dass die IT-Abteilung doch nicht proaktiv genug war oder nicht genügend Transformationsvorschläge gemacht hat, wenn man hier spürt, dass man eine weitere Rolle zusätzlich braucht.

Interview – Diconomy braucht revolutionäre Führung

Interview mit Unternehmensberaterin Jennifer Victoria Withelm über Revolutionäre Führung in der Diconomy.

moderation-jennifer-withelmDer Digitale Reifegrad ist bei den meisten Unternehmen noch nicht angekommen, dabei haben digital führende Firmen bereits knapp 30 Prozent mehr Profit und einen um 12 Prozent höheren Unternehmenswert als die digitalen Nachzügler. Wer in der Diconomy – dem Zeitalter der Beschleunigung – nicht mit mehreren Optionen jonglieren und kurzfristig entscheiden kann, fällt zurück und schließlich ganz vom Tellerrand. Wer auf die Weiterbildung seiner Führungskräfte setzt, investiert nachhaltig in den Erfolg seines Unternehmens. Viele Trainingskonzepte ignorieren immer noch die neuen Bedürfnisse durch die Digitalisierung. Jennifer Withelm ist Unternehmensberaterin und Leadership-Expertin (www.charismakompetenz.de) und plädiert in der Digital Economy für Revolutionary statt Digital Leadership.

Connected Industry: Frau Withelm, was verstehen Sie unter Digitalisierung?

Jennifer Withelm: Unter Digitalisierung verstehe ich keinen konkreten Prozess, sondern die Art und Weise wie etwas auf allen Unternehmensebenen getan wird. Digitalisierung umfasst die Gesamtheit der durch neue Entwicklungen getriebenen Veränderungen. Geschäftsmodelle, Managementansätze und Führungsstile sind davon betroffen. Führungskräfte bewegen sich in der Digitalen Transformation in einem komplexen Umfeld und müssen sich daran gewöhnen, trotz langfristiger Strategien nur noch auf Sicht fahren zu können.

Connected Industry: Ist das die Essenz des aktuell inflationär gebrauchten Begriffs „Digital Leadership“?

Jennifer Withelm: Ich halte den Begriff „Digital Leadership“ für irritierend – ich führe nicht ausschließlich „digital“, auch nicht in der Diconomy. Die Widersprüchlichkeit des Begriffs wird spätestens dann jedem auffallen, wenn die Digitalisierung sich in unseren Köpfen verankert hat und selbstverständlich wurde. Die Digitalisierung nötigt uns aktuell dazu – und das ist auch gut so – über verstaubte Führungsstile nachzudenken. Meine Erfahrung ist, dass bis heute selbst in vielen großen Konzernen Führungskräfte ihre Mitarbeiter nur „irgendwie“ anweisen. Es braucht auch nicht zwingend ein konkretes Konzept für erfolgreiche Mitarbeiterführung, aber hinterfragen sollte eine Führungskraft die eigenen Handlungen schon. Ich halte „Revolutionäre Führung“ bzw. „Revolutionary Leadership“ für das, was jetzt gebraucht wird, passender. Jeder soll die Freiheit haben, ein Revolutionär in Sachen Führung zu sein und den eigenen Weg zu finden solange er oder sie hinter den eigenen Prinzipien steht.

Connected Industry: Sie haben kürzlich zwei Bücher über ihr Konzept „Charismakompetenz“ veröffentlicht. Welche Rolle spielt Charisma in der Digitalisierung?

Jennifer Withelm: Charismatische Ausstrahlung ist mehr denn je das Fundament für erfolgreiche Führung. Die vierte industrielle Revolution braucht Führungskräfte, die akzeptieren und offen dazu stehen, dass sie nicht allwissend sind. Führungskräfte sind Moderatoren von Spezialisten in einem komplexen Umfeld, das sich sekündlich verändert. Niemand kann da alles wissen und man muss auch gar nicht erst so tun als würde man es tun. Führung muss auf Augenhöhe stattfinden damit die Zusammenarbeit produktiv ist. Die Mitarbeiter müssen sich mehr einbringen dürfen und als Experte in ihrem Bereich geschätzt werden. Eine charismatische Ausstrahlung hilft der Führungskraft enorm dabei, von den Mitarbeitern in der Rolle des moderierenden Leaders akzeptiert zu werden. Umfangreiche Fachexpertise ist dann nicht mehr zwingend nötig.

Connected Industry: Allgemein wird noch häufig angenommen, dass man Charisma hat oder eben nicht hat – sprechen wir neben dem Fachkräftemangel auch bald von Führungskräftemangel?

Jennifer Withelm: In meinen Büchern habe ich gezeigt, dass die wenigsten charismatischen Persönlichkeiten von Anfang an über Charismakompetenz verfügt haben. Führung kann genauso wie Charisma erlernt werden. Ich habe mich jahrelang mit dem Thema auseinandergesetzt und fünf Persönlichkeitsbereiche analysiert, die in der Führungskräfteentwicklung reflektiert werden können. Die Fähigkeit zur Selbstreflektion ist allerdings eine zentrale Voraussetzung um Charisma erlernen zu können.

Connected Industry: Führungskräfte werden ihre Mitarbeiter aufgrund räumlicher Distanz in der Diconomy weniger kontrollieren können. Wie soll da charismatische Führung funktionieren?

Jennifer Withelm: Charismatische Führung bedeutet weniger Kontrolle und mehr Vertrauen. Wer nicht kontrollieren kann, muss seine Mitarbeiter intrinsisch motivieren. Das kann eine charismatische Führungskraft sehr viel effizienter als ein „normaler“ Vorgesetzter. Persönliche Bindung funktioniert Dank Charisma auch durch unpersönliche, digitale Kommunikationskanäle und persönliche Treffen müssen noch bewusster als Chance für Charisma wahrgenommen werden. Unzählige Face-to-Face-Meetings werden bis heute nicht genutzt, um seine Mitarbeiter zu inspirieren. Da werden trockene PowerPoint-Charts gezeigt, anstatt auf nachhaltige Motivation zu setzen. Eine Führungskraft, die die Macht von Charisma einsetzen will, muss sich aber erst einmal selbst hinterfragen: Bin ich integer, d.h. bin ich eine Person, die für Werte und Prinzipien steht und die mit gutem Beispiel voran geht? Bin ich in der Lage, zwischen verschiedenen Kommunikationsstilen aus meiner Toolbox auszuwählen, und mich individuell auf meine Mitarbeiter und die jeweilige Situation einzustellen? Unterstreiche ich durch konsequentes Verhalten, Rituale und Symbole meine Persönlichkeitseigenschaften? Habe ich das Einfühlungsvermögen, um die Sichtweise anderer nachvollziehen zu können und konstruktive Diskussionen zu moderieren? Und nicht zuletzt: Bin ich gewissenhaft bei der Arbeit und bringe ich meine Projekte auch zu Ende? Alle diese Fragen sollten idealerweise mit „Ja“ beantwortet werden – aber natürlich hat jeder Defizite, die in der Führungskräfteentwicklung optimiert werden können. Gerade Kommunikationsfähigkeit wird als die wichtigste Eigenschaft von Führungskräften genannt und ist gleichzeitig der am häufigsten genannte Mangel. Dagegen kann man etwas tun.

Connected Industry: Haben Sie konkrete Beispiele, wie charismatische Führung in der Industrie 4.0 aussehen kann?

Jennifer Withelm: Unser Leben ist jetzt schon komplex und es wird noch komplexer werden. Niemand kann mehr alles wissen. Führungskräfte müssen ihre Mitarbeiter als gleichberechtigt wahrnehmen und sie dazu bringen, sich selbstbewusst mehr einzubringen. Führungskräfte geben Feedback, müssen es aber auch annehmen und reflektieren. Wer immer noch in Hierarchien denkt, wird bald im Wettbewerb ausgebootet werden. Führungskräfte werden ihren Mitarbeitern die Angst davor nehmen müssen, bald eine Maschine als Kollegen zu haben. Gleichzeitig haben Führungskräfte mehrere Generationen unter einen Hut zu bringen – hier gilt es ein Verständnis füreinander zu etablieren und zu zeigen, dass die Jungen von den Alten und andersherum lernen können. Digital Natives sind beispielsweise immer online, sie stehen in ständiger Interaktion mit anderen. Sie verarbeiten kurzfristige Informationen sehr schnell und geben oft innerhalb von Sekunden Feedback auf E-Mails. Der Rat, seine Mails nur zu festen Zeiten zu checken, um die Konzentration nicht zu stören, kommt der jungen Generation wie ein schlechter Witz vor. Mitarbeiter brauchen mehr Entscheidungsbefugnisse und mehr Mitspracherecht, mehr Selbstbestimmung, was ihre Arbeitszeiten und Arbeitsorte angeht. Das Denken muss weg von der Präsenzkultur hin zur Ergebniskultur gehen. Letztendlich zählen Ergebnisse und nicht ob ein Arbeitnehmer acht Stunden am Platz sitzt. Charismatische Führungskräfte geben in der Industrie 4.0 die Richtung vor und visualisieren bewusst verschiedene Szenarien – sie dürfen aber nicht überrascht sein, wenn doch alles anders kommt. Fehler müssen endgültig als dazugehörig akzeptiert werden. Statt auf die Suche nach Schuldigen zu gehen sollten alle Stakeholder aus Fehlern lernen. Oft wird es auch die Einsicht brauchen, dass pragmatisches Ausprobieren oft zielführender ist statt detaillierte Analyse und Planung. Ziele bleiben aber wegen der zunehmenden Unsicherheit wichtig, sonst würden alle orientierungslos auf einem Ozean herumtuckern. Die Führungskraft wird mit der linken Hand durchsetzungsstark Anweisungen geben, aber mit der starken, rechten Hand den Tanker steuern und kurzfristig und flexibel reagieren müssen.

Connected Industry: Das klingt nach einer Menge Arbeit – tatsächlich sind aber die meisten Führungskräfte stark in das operative Geschäft eingebunden…

Jennifer Withelm: Völlig richtig. Dabei ist gerade die mittlere Führungsebene das Zünglein an der Waage, das darüber entscheidet, ob ein Unternehmen langfristig erfolgreich sein wird. Die mittlere Führungsebene hat das Verständnis für die Vision des Vorstands und gleichzeitig das Verständnis für die Mitarbeiter im operativen Geschäft. Sie ist wie ein Übersetzer und braucht dringend die Zeit, um auch wirklich führen und lenken zu können. Wenn ihr hier das Commitment von oben fehlt und ihr die Zeit zu führen faktisch nicht gegeben wird, wird sich spätestens mit der digitalen Transformation herausstellen, welches Unternehmen auf dem Markt überleben wird.

 

Interview – die Smart Industry Modellfabrik von ELABO

Interview mit Thomas Hösle, Geschäftsführer der ELABO über die ELABO

thomas-hoesle-elaboThomas Hösle ist Geschäftsführer der ELABO GmbH in Crailsheim. ELABO, ein Unternehmen der euromicron-Gruppe, ist ein führender Anbieter für praxis-nahe Industrie 4.0-Lösungen für den Mittelstand. Die Kompetenz hierfür schöpft der Technologieführer aus der jahrzehntelangen Erfahrung bei der Entwicklung und Herstellung intelligenter Mess- und Prüftechniklösungen mit hohem Softwareanteil. Die hochwertigen Geräte, Softwarepakete, Prüf-und Arbeitsplatzsysteme werden in Ausbildung, Forschung und Entwicklung, Montage und Qualitätssicherung sowie im Service eingesetzt. Im November 2015 hat die unter Leitung der Bundesministerien für Wirtschaft und Forschung agierende Plattform Industrie 4.0 ELABO mit ihrem Smart Industry Ansatz in die interaktive Online-Deutschlandkarte für Industrie 4.0 Anwendungsbeispiele aufgenommen.

Wie unterscheidet sich der ELABO Smart Industry Ansatz von herkömmlichen Industrie 4.0 Modellen?

Wesentliches Unterscheidungsmerkmal ist, dass wir einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen. Wir ha-ben schon einige Smart Factories in Deutschland besichtigt. Dabei fiel uns auf, dass diese Smart Factories sich nur auf einen Teilausschnitt einer Smart Industry konzentrieren, also hauptsächlich auf Montagevorgänge – zumeist hochautomatisiert. Mit unserem darüberhinausgehenden Ansatz vernetzen wir die wesentlichen Wertschöpfungspartner in Echtzeit zu einem Gesamtsystem inclusive der smarten inhouse-Logistik: also angefangen am Ursprung der internen Wertschöpfungskette, aus der F&E herkommend, gelangen die Produkte über den Prototypenbau in die Montage und werden irgendwann zum Servicefall. Wir simulieren und zeigen, wie dadurch in einer Smart Industry künftig ein „Turbo“ gezündet werden kann mit einer deutlichen Steigerung von Effizienz, Flexibilität und Transparenz.

Was ist die Besonderheit an Ihrem System?

Zunächst lehnen wir uns an die I 4-0-Definition des VDMA an. Danach geht es bei I 4.0 um die digitale Vernetzung von Menschen, Maschinen und Systemen. Diese drei Komponenten werden digital und in Echtzeit untereinander vernetzt. Genau dies können wir abbilden. Das Besondere an unserem Ansatz ist eine softwaregestützte Datenbanklösung. Diese Datenbank ist eine Big Data Lösung, die alle Daten, die in einem F&E- oder Montage- oder Service-Prozess anfallen, automatisiert dokumentiert ohne dass der Mitarbeiter zusätzliche Tätigkeiten zu verrichten hat. Diese Daten können in Echtzeit untereinander ausgetauscht werden, so dass sehr schnell reagiert werden kann, wenn z. B. in der Montage ein Qualitätsproblem auftaucht. Hier profitieren unsere Anwender von der Echtzeitver-bindung zwischen den Wertschöpfungspartnern inklusive dem Qualitätsmanagement. Unsere Soft-warelösung deckt neben Big Data aber auch Aspekte von Data Analytics ab, also den Transfer von Daten in Wissen. Dank unserer Auswertungs-Tools kann rechtzeitig erkannt werden, wo Soll-Abweichungen auftreten bzw. wo etwas Gefahr läuft, aus dem Ruder zu laufen – Stichwort Predictive Maintenance.

Und gleichzeitig ist unsere Datenbanklösung eine digitale, intelligente Werkerführung. Wir ermög-lichen es, dass komplexe Montage-, Prüf- oder Logistikvorgänge auch mit weniger qualifizierten Mit-arbeitern auf einem hohen Qualitätslevel ausgeführt werden. Der Werker wird je nach Bedarf mit Text (zweisprachig) und Fotos (ggf. auch Utility-Film) sicher durch die einzelnen Arbeitsschritte geführt, in der „de luxe“-Variante auch audio-visuell mit einer Datenbrille (Augmented Reality).

Damit unterstützen wir auch die Zielsetzung vieler Industrie-Unternehmen, den Mitarbeiter zum informierten Entscheider weiterzuentwickeln (Dezentralität von Entscheidungen).

Welche Rolle spielen Arbeitsplatzsysteme für die Industrie 4.0?

Arbeitsplatzsysteme sind die Enabler von Industrie 4.0. Ein optimales Zusammenspiel in einer „con-nected industry“ besteht aus drei Komponenten: Die 4.0-fähige Hardware, optimal kombinierbar mit der 4.0-fähigen Software und darüber ein Sicherheitskonzept, was die Netzwerke und Serverland-schaften anbelangt, also auch Cloud-Lösungen. Hier genießen wir den großen Vorteil, von der ein-schlägigen Expertise der euromicron-Gruppe als führender Netzwerkspezialist mit 13 Tochterge-sellschaften zu profitieren. Daher können wir unsere Lösung aus einer Hand als Gesamtpaket anbie-ten: den Arbeitsplatz der Zukunft als Kombination von 4.0-fähiger Hard- und Software unter dem Dach von sicheren Netzwerken.

Sind Analyse-Systeme in der Anwendung oder denkbar, die die Ergonomie der Arbeitsplätze erfassen?

Die Produktivität wird gemessen durch Kennzahlen, die unsere Datenbanklösung liefert. Die Software erfasst z. B., ob alle Arbeitsschritte wie vorgegeben ausgeführt wurden oder gibt Hinweise, wo Fehler entstanden. Darüber hinaus planen wir, unsere Arbeitsplatzsysteme mit einer intelligenten Zugangskontrolle zu koppeln. Der Arbeitsplatztisch soll dann automatisch erkennen, welcher Mitarbeiter aktiv ist, und stellt sich auf dessen ergonomisch ideale Arbeitsplatzhöhe ein. Gleichzeitig richtet sich auch das Licht an die individuellen Bedürfnisse des Mitarbeiters aus. Zudem soll der intelligente Arbeitstisch 4.0 auch die Höhe und das Licht in Abhängigkeit der zu verrichtenden Arbeitsgänge anpas-sen. Alle diese ergonomischen Funktionalitäten werden von unserer Software gemanagt.

Wann ist die Entwicklung Ihrer Modellfabrik abgeschlossen?

Was wir derzeit in unserer Smart Industry Modellfabrik zeigen ist sozusagen der Basis-Stand von 2014. Bereits auf der Messe productronica im November 2015 haben wir weitere Ideen-Ansätze vorgestellt und mit unseren Kunden diskutiert. Daraus sowie aus unseren zahlreichen live-Präsenta-tionen mit Besuchern unserer Smart Industry Modellfabrik entstehen laufend weitere Impulse, die wir gerne verarbeiten. Wir sind daher noch am Anfang einer weiten, spannenden Reise und haben noch viele Ideen im Köcher.

 

Interview – Industrie 4.0 mit vernetzten Maschinen

Interview mit Martin Buck, Vorsitzender des Vorstandes und CTO der ifm Unternehmensgruppe über Industrie 4.0

martin-buckMartin Buck ist Vorsitzender des Vorstandes der ifm stiftung & co. kg. Nach Gründung im Jahre 1969 hat sich ifm zu einem der weltweiten Branchenführer im Bereich der Entwicklung, Produktion und dem Vertrieb von innovativen Sensoren, Steuerungen und Systemen für die industrielle Automatisierung entwickelt. Heute zählt das in zweiter Generation geführte Familienunternehmen mit rund 5.200 Beschäftigten in über 70 Ländern zu den weltweiten Branchenführern.

Herr Buck, Industrie 4.0 ist ein weites Feld, welche Lösungen entwickelt ifm in diesem Kontext?

Hier haben wir zunächst ein breites Portfolio an Sensoren mit IO-Link-Standard entwickelt. Zudem haben wir uns damit beschäftigt, wie man Daten vom Sensor weiter in Richtung zentrale Rechnerebene bekommt. Aus unserer Erfahrung werden in Zukunft ca. 20% der Daten, die man aus dem Sensor herausbekommt, die Anlage steuern und 80% der Daten sind da, um Maschinenzustände zu erfassen oder Qualitätsinformationen zu erhalten. Dies erfordert eine offene Architektur, so dass man auch die Möglichkeit hat, Daten abzuzweigen, um diese dann direkt an die nächsthöhere Ebene zu übertragen. Hier setzen wir an und verfügen mittlerweile über entsprechende Produkte, um Daten an die nächsthöheren Ebenen abzuzweigen. Die dafür notwendige Weiche besteht aus Hardware und Software – der LINERECORDER. Dieser ist ein Kommunikationskünstler, der nach unten an den IO-Link anknüpft und nach oben über verschiedene Protokolle kommunizieren kann. Der LINERECORDER fügt sich als ein Kommunikationsknoten in die Maschine ein, so dass die Maschinendaten  hoch zur Leitstandebene kommuniziert werden können. Auf dieser SCADA/MES-Ebene (Supervisory Control and Data Acquisition) haben wir das LINERECORDER Framework, der die Parametrierung und Überwachung unterschiedlichster Sensoren vereinfacht. Die Entwicklung ging so weit, dass wir nicht nur auf dieser SCADA/MES-Ebene blieben, sondern auch die Anbindung bis ins ERP-System realisieren konnten. Hier haben wir in Zusammenarbeit mit SAP eine Schnittstelle geschaffen, von der LINERECORDER-Ebene bis ins SAP hinein. Dadurch schaffen wir die vollständige Durchgängigkeit – vom Sensor über IO-Link weiter via LINERECORDER über die Prozessleitebene hinaus hin zum SAP ERP.

Dinge, die wir mit Kunden in diesem Bereich schon realisiert haben, liegen im Bereich Condition Monitoring und Energy Monitoring. Hier geht es beispielsweise bei unserem Kunden Gea um Separatoren auf Schiffen. Serviceeinsätze wären hier sehr teuer, da man zunächst zu den Schiffen vor Ort fahren müsste. Die Zustandsdaten dieser Separatoren werden über mobile Datenübertragung an eine Zentrale in den Leitstand verschickt und überwacht. Dort kennt man dann den Zustand der Separatoren und kann Wartungen durchführen oder Servicepläne erstellen. Im Ergebnis machen wir also die Shop Floor Ebene in der SAP Ebene verfügbar.

Welche Möglichkeiten könnte man hier noch weiter entwickeln?

Ich denke, dass Geschäftsmodelle entstehen, in denen nicht mehr mit Hardware gehandelt wird, sondern mit Diensten. Weitere Möglichkeiten liegen im Bereich Condition Monitoring, wenn die Anlage mit dem ERP-System vernetzt ist und damit auch mit dem gesamten Ressourcenplan im Unternehmen. Dann kann die Anlage den eigenen Zustand erfassen undwenn beispielsweise der Antrieb bedrohliche Anzeichen von Verschleiß zeigt, kanndiese Information in das SAP System weitergeleitet werden. Dort sind dann alle Informationen verfügbar um den Wareneingang des neuen Antriebs zu überwachen, einen Serviceeinsatz zu planen und die entsprechende Produktionsplanung darauf abzustimmen. Niemand müsste mehr einschreiten und ein ungeplanter Stillstand wäre zuverlässig abgewendet

Wie beurteilen Sie den Reifegrad der deutschen Wirtschaft bei Industrie 4.0?

Beim Breitbandausbau stimme ich zu, dass Deutschland noch hinterherhinkt. Zu Industrie 4.0 passiert jedoch bereits einiges in sehr vielen Unternehmen, so dass ich Deutschland insgesamt nicht schlecht aufgestellt sehe. Wo wir dagegen aufpassen müssen, ist, dass wir nicht den großen amerikanischen Daten-Firmen, wie Google, nacheifern , um diesen im direkten Wettbewerb zu begegnen, sondern die Stärke von Deutschland, die Innovationskraft aus dem Mittelstand fördern sollten. Bei der ganzen Diskussion um Datenhandling oder Cloud Computing sollten erstens einheitliche rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen werden. Dazu würde es der Innovation vor allem gut tun, wenn Daten und Dienste getrennt werden. Die Daten sollten in einem rechtlichen Raum liegen, der europaweit harmonisiert ist und separat dazu sollte es Dienstanbieter geben, die auf diese standardisiert abgelegten Daten zugreifen können und damit Mehrwertdienste und Services anbieten können. Dadurch entsteht Wettbewerb, der Innovationen fördert. Wir müssen uns also auf unsere Stärken besinnen und den Zugang zu den Daten „demokratisieren“. Selbstverständlich unter Berücksichtigung des Datenschutzes.  Das Sammeln von Daten in verschiedenen Clouds bringt uns aus meiner Sicht dagegen nicht weiter, da wir mit jeder weiteren Cloud Inseln schaffen – und diese Inseln sind nicht durchgängig. Ich kann keinen Dienst heute etablieren, der gleichzeitig auf Daten in verschiedenen Clouds zugreift. Im Vergleich dazu, haben auch nicht die Spediteure die Straßen gebaut, sondern der Staat hat die Infrastruktur zur Verfügung gestellt, so dass jeder noch so kleine Spediteur auf diesen Straßen fahren konnte. Bei den Daten bräuchte man eine Infrastruktur und ein Zuhause – jeder Dienstanbieter weiß dann um die einheitlichen Rahmenbedingungen und kann darauf seine Dienste zur Verfügung stellen.

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