Industrie 4.0-Trendstudie

Hintergrund

Alle reden von Industrie 4.0, aber keiner weiß wirklich, was die betroffenen Unternehmen und Experten darüber denken. Dieses Dilemma sollte eine Studie ändern, welche die Think Company und die Dr. Linus Schleupner GmbH in Zusammenarbeit mit dem VDE Verlag realisierten.

Im Rahmen des zweiten Teils des Projekts wurden insgesamt 42 Hersteller aus dem Bereich Maschinenbau und Produzierendes Gewerbe zu ihrer Einschätzung der zukünftigen Entwicklung des Themas sowie ihrer eigenen, weiteren Planungen befragt. Zusammen mit Teil 1, in dem 80 Automatisierer befragt wurden, wird das Meinungsbild der Akteure entlang der Wertschöpfungskette nunmehr komplett.

Positive Grundstimmung

Insgesamt ist die Einstellung der befragten Branchen zum Thema Industrie 4.0 positiv: Von den vorgegebenen Statements erzielen alle wohlwollenden Aussagen die höchsten Zustimmungswerte; die ablehnenden Aussagen werden dagegen weitgehend zurückgewiesen.

Sehen der Maschinenbau und die Produzierenden Unternehmen dabei insbesondere die effizientere (bestehende) Produktion im Vordergrund, so erreicht bei den Automatisierern die Schaffung neuer Geschäftsmodelle die meiste Zustimmung.

Nur Wenige bezeichnen das Thema als vorübergehende Modeerscheinung oder finden, dass Industrie 4.0 nur etwas für große Unternehmen sei.

Ein Negativ-Image kann Industrie 4.0 anhand dieser Daten also keinesfalls attestiert werden. Vielmehr überwiegen die positiven Erwartungen bezüglich dieser neuen Technologie. Aus Sicht der Befragten bringt Industrie 4.0 damit gute Voraussetzungen mit, um ein Wachstumstreiber zu werden, wobei der Fokus jedoch zumindest zunächst auf der Effizienzsteigerung bestehender Fertigungsprozesse liegen wird.

Effizienz schlägt Vielfalt

Die Frage nach den Treibern der Technologie wird von den Befragten insbesondere mit ‚Eine flexiblere Anpassung an die Nachfrage‘, ‚Verkürzte Produktionszeiten‘ und ‚Eine höhere Auslastung‘ beantwortet. Ebenso wichtig sind die Transparenz über Bestände und Kapazitätsauslastungen sowie der effizientere Einsatz von Mitarbeitern. Den Unternehmen geht es also insbesondere um eine Optimierung ihrer tagtäglichen Abläufe. Die einfachere Realisierung kundenindividueller Produkte, der die Automatiserer ebenfalls eine hohe Bedeutung beimessen, landet beim Maschinenbau und der Produzierenden Industrie dagegen nur im Mittelfeld. Gleiches gilt für die Vermeidung von Fehlern bei der Produktionsumstellung und der schnelleren Time-to-Market bei Produktneueinführungen. Diese Abweichungen vom normalen Produktionsalltag haben also nicht die Relevanz, die Automatisierer ihnen unterstellen.

Zusammengefasst ergibt sich für die Treiber von Industrie 4.0-Projekten folgende Rangfolge:

  1. Fertigungs- und Mitarbeitereffizienz
  2. Fertigungsplanung
  3. Bewältigung von Sonderformen der Produktion
  4. Personaleinsparungen

Dieses Ranking ist weitaus stärker am derzeitigen ‚Daily Business‘ der Maschinenbauer und Endkunden ausgerichtet, als dies bei den Automatisierern der Fall ist.

Herausforderung Datenmanagement

Industrie 4.0, das ist die Verknüpfung unterschiedlichster Informationen aus Produktion, Unternehmenssteuerung, Absatzkanälen und weiteren Quellen. Und das wiederum ist eine klassische IT-Domäne.  Entsprechend werden auch die damit zusammenhängenden Fragestellungen als wesentliche Herausforderungen gesehen. Ganz vorn rangiert dabei die Standardisierung der Datenschnittstellen zwischen Markt, Verwaltung und Fertigung. Dies ist für über 75 % der Befragten das alles entscheidende Thema!

Für rund die Hälfte der Unternehmen stehen zudem die Themen Datensicherheit und –qualität, die Beherrschung komplexer Datenströme, aber auch die notwendigen Investitionen für die IT-Infrastruktur ganz oben auf der To-do-Liste. Konzepte wie Total Cost of Ownership werden für die auf Effizienz bedachten Anwenderbranchen ein Punkt sein, dem sie sich bei der Initiierung entsprechender Projekte besonders intensiv widmen müssen.

Demgegenüber unterschätzen die Automatisierer die Bedeutung der Schnittstellenproblematik und der notwendigen Investitionen in die IT-Infrastruktur. Ferner widmen sie dem Thema der Dokumentation der einzelnen Projektschritte bisher zu wenig Aufmerksamkeit.

Die Bedeutung steigt – aber nur langsam

Bei aller positiven Einstellung gegenüber dem Thema Industrie 4.0 bleibt man realistisch: Derzeit sprechen vor allem die Maschinenbauer und die Produktionsunternehmen dieser Technologie eine äußerst geringe Bedeutung zu. Die Automatisierer sind demgegenüber etwas optimistischer.

Alle Gruppen sehen jedoch, dass die Wichtigkeit in den nächsten Jahren zunehmen wird.

Mit hoher Übereinstimmung geben alle befragten Branchen die zeitliche Prognose, dass Industrie 4.0-Lösungen in 8 bis 9 Jahren zum allgemeinen Branchenstandard gehören werden.

Es ist also jetzt die Zeit, zu handeln und die notwendigen Innovationen anzustoßen.


Die kompletten Ergebnisse der Befragung von Maschinenbauern und Produzierenden Unternehmen finden sich in dem im VDE-Verlag erschienen Buch „Industrie 4.0 im internationalen Kontext – Kernkonzepte, Ergebnisse, Trends“. Diese Publikation beleuchtet auf mehr als 250 Seiten die verschiedenen Facetten von Industrie 4.0 und den damit zusammenhängenden Technologien. Sie entstand unter Mitwirkung namhafter Spezialisten aus Industrie und Verbänden, die mit ihrer hohen Kompetenz das jeweilige Thema detailliert und anschaulich vermitteln und so dieses einzigartige Buch ermöglichten.


ISBN: 978-3-8007-3671-3
Herausgeber: Christian Manzei, Linus Schleupner, Ronald Heinze

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